Mikrofluidisches In-vitro-Lungen-Modell als Ersatz für murine Infektions- und Schocklungen-Modelle
Mikrofluidische In-vitro-Lungen-Modelle können helfen, die Notwendigkeit von Tierversuchen im Bereich der Medikamentenentwicklung und Grundlagenforschung zu reduzieren und zu ersetzen.
Entzündungszellen wie neutrophile Granulozyten tragen entscheidend zu Lungenschäden und zum Verlust an Lungenfunktion bei der Pneumonie, dem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) und der Mukoviszidose bei. Ziel dieses Projekts war die Kultivierung humaner Atemwegsepithelzellen und die Etablierung eines mikrofluidischen Chipsystems, in dem die transepitheliale Migration von neutrophilen Granulozyten aus dem Blutkreislauf in die Lunge abgebildet wird.
Der Gesamtaufbau des mikrofluidischen Chipsystems erfolgte im Objektträgerformat (Abb. 1).
In das Fluidiksystem wurden humane Atemwegsepithelzellen eingebracht und kultiviert. Das Zellwachstums und die Zelldichte wurden über die Impedanz gemessen (Abb. 2A). Um zu testen, ob neutrophile Granulozyten über die epitheliale Barriere migrieren, wurden neutrophile Granulozyten in den unteren Kanal eingebracht. Zur Stimulation der Migration der Neutrophilen wurde in den Flüssigkeitsstrom im oberen Kanal des Chips das durch Hitze inaktivierte Pathogen Pseudomonas aeruginosa hinzugegeben. Es konnte eine Migration von Neutrophilen festgestellt werden (Abb. 2B).
Zudem wurden im Rahmen dieses Projekts isolierte primäre Atemwegsepithelzellen über einen Zeitraum von 4 bis 5 Wochen zu Bronchosphären ausdifferenziert. Solche Bronchosphären können genutzt werden, um die Interaktion von Epithelzellen mit Entzündungszellen wie Neutrophile zu untersuchen. Die Bronchosphären wurden während der Differenzierungsphase mit bakteriellen Faktoren wie Flagellin von P. aeruginosa inkubiert, was zu einer übermäßigen Bildung von Mukus führte.
Das mikrofluidische In-vitro-Modell und die Lungenorganoide können genutzt werden, um die Interaktion von Entzündungszellen mit Atemwegsepithelzellen unter physiologisch relevanten Bedingungen zu analysieren. Die entwickelten Modelle stehen im Einklang mit dem 3R-Prinzip und tragen zur Reduktion von Tierversuchen im Bereich der Medikamentenentwicklung und Grundlagenforschung bei.
Publikation:Sprott et al. (2020) Flagellin shifts 3D bronchospheres towards mucus hyperproduction. Respiratory Research 21:222; https://doi.org/10.1186/s12931-020-01486-x
Poster:Hesler M., Knoll T., Ritzmann F., Honecker A., Wagner S., Kohl Y., von Briesen H., Zimmermann H., Bals R., Beisswenger C. „Microfluidic in vitro lung model to replace murine infection and ARDS models“ Posterpräsentation während der EUSAAT, 10.-13. Oktober 2019, Linz, Österreich.
Projektleitung
PD Dr. Christoph Beißwenger
Biologiestudium an der Philipps-Universität Marburg. Dort Promotion im Rahmen des Aufbaustudiums Humanbiologie. Postdoktorat an der University of Pennsylvania, Department of Microbiology. Projektleiter in der Forschung und Entwicklung bei der Across Barriers GmbH. Seit April 2010 Gruppenleiter an der Universität des Saarlandes, Klinik für Innere Medizin V, Homburg (Saar). 2014 Habilitation in Immunologie und experimenteller Pneumologie.
Prof. Dr. rer. nat. Heiko Zimmermann
Physikstudium Würzburg und Berlin. 2001 Promotion auf dem Gebiet der Biophysik, Humboldt-Universität Berlin. 2003 Juniorprofessur “Kryobiophysik & Zelluläre Kryotechnologie” und 2008 Berufung als Professor, Lehrstuhl für „Molekulare und Zelluläre Biotechnologie/Nanotechnologie“ an die Universität des Saarlandes. 2008 Hauptabteilungsleiter „Biophysik & Kryotechnologie“ am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik. 2012 Ernennung als Institutsleiter. 2015 geschäftsführender Institutsleiter, seit April 2017 alleiniger Institutsleiter.
Mitarbeit
Dr. rer nat. Yvonne Kohl
Lebensmittelchemiestudium an der Technischen Universität Kaiserslautern bis 2007. 2011 Promotion auf dem Gebiet der Nanotoxikologie, Universität des Saarlandes. Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektleiterin am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT, Abteilung Bioprozesse & Bioanalytik. Seit April 2016 Leiterin der Arbeitsgruppe Nanotoxikologie am Fraunhofer IBMT.
MSc. Biologie Felix Ritzman
Berufsausbildung zum Biologielaborant, Universitätsklinikum Homburg/Saar. Biologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Masterarbeit am Institut für funktionelle Grenzflächen, KIT. Seit Julie 2016 Doktorand an der Universität des Saarlandes, Klinik für Innere Medizin V, Homburg (Saar).