3R-Forschung

In Industrie, Politik, Forschung und Tierschutz herrscht ein breiter Konsens darüber, dass die Verringerung von Tierversuchen sowie die Verbesserung der Versuchsbedingungen wichtige Themen sind. Deshalb wird auch die zielgerichtete Erforschung von Alternativmethoden mit steigendem Engagement vorangetrieben.

Was ist 3R-Forschung?

Ein Überblick über die Inhalte und Ziele der 3R-Forschung

Bereits vor fast siebzig Jahren schlugen zwei britische Forscher, der Zoologe Bill Russell und der Mikrobiologe Rex Burch, das Prinzip der „3R“ als Leitlinie vor, um Tierversuche bzw. das Leid der Versuchstiere zu vermeiden oder zu verringern:

Infografik 3R-Forschung

Diesem Konzept folgend bemühen sich Gesetzgeber, Industrie, Forschung und Tierschutz um die Entwicklung und Etablierung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden im gesamten tierexperimentellen Spektrum. Die 3R-Forschung erstreckt sich vor allem auf drei Bereiche:

  1. Gebiete, in denen Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind, also beispielsweise die Zulassung von Medikamenten und chemischen Stoffen oder die Routineprüfung von Impfstoffen

  2. Die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden für die Grundlagenforschung 

  3. Die Verwendung tierverbrauchsfreier Methoden in der Lehre

3R-Methoden

3R-Methoden sollen den Einsatz und das Leiden von Tieren im Experiment verringern oder vollständig vermeiden – und gleichzeitig in ihrer Zuverlässigkeit die Ergebnisse, die mit herkömmlichen Tierversuchen erzielt werden können, auf mindestens gleichem Niveau erreichen oder verbessern. Beispiele für 3R-Methoden sind Verfahren, die

  • auf dem Einsatz von Zell-, Gewebe- und Organkulturen basieren

  • Organismen in Entwicklungsstufen verwenden, die nach Stand der Wissenschaft kein Schmerz oder Leid empfinden (z.B. Hühnereier, Fischrogen)

  • an Mikroorganismen oder „niederen“ Tieren (Wirbellose) durchgeführt werden

  • direkt an menschlichem Gewebe oder Zellen, z.B. menschlichem Blut, testen

  • auf Computersimulationen beruhen

  • die Versuchsbedingungen für Versuchstiere weniger belastend gestalten (z.B. durch Environmental Enrichment)

  • sich biochemischer/biophysikalischer Verfahren bedienen

Um zur Anerkennung als behördliche Prüfrichtlinie der EU und der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu gelangen, müssen die Ersatz- und Ergänzungsmethoden anhand internationaler Validierungsstudien erweisen, dass sie in ihrer Aussagekraft geeignet sind, vorhandene, gesetzlich vorgeschriebene Methoden abzulösen.

Mit Hilfe von Projekten verschiedener Träger sind vor allem in den letzten zwanzig Jahren entscheidende Schritte gelungen: Es wurden Ersatzmethoden als rechtlich bindend durchgesetzt, die auf Versuche an lebenden Wirbeltieren ganz verzichten. Vorhandene ursprünglich eine hohe Zahl von Versuchstieren erfordernde Methoden wurden optimiert. Gesetzliche Vorgaben wurden aufgrund dieser Forschungen inzwischen in einigen Bereichen abgeändert, um die Zahl und das Leid der eingesetzten Versuchstiere zu minimieren.

Parallel zu den Bemühungen, Alternativmethoden für gesetzlich vorgeschriebene Tests zu finden, erstreckt sich die Forschung nach Ersatz- und Ergänzungsmethoden auch auf eine Vielzahl von Tierversuchen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.