P-063

Membranfütterungsmethoden zur Massenzucht der Bettwanze Cimex lectularius und der Kleiderlaus Pediculus humanus humanus im Labor

Dr. Arlette Vander Pan  & Anne Krüger
Umweltbundesamt

07/2017 - 06/2019

Die Fütterung von blutsaugenden Insekten an Wirbeltieren ist ein Tierversuch. Durch eine Umstellung von Bettwanzen- und Kleiderlauslaborzuchten auf Membranfütterung können solche Tierversuche ersetzt werden.

Blutsaugende Gliedertiere (z.B. Läuse, Bettwanzen, Mücken, Flöhe und Zecken) beeinträchtigen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen erheblich. Der Befall mit Kopfläusen ist weltweit ein andauerndes Hygieneproblem. Seit den 1990er Jahren gibt es außerdem weltweit einen dramatischen Anstieg von Bettwanzenbefällen. Vor allem vor dem Hintergrund der Ausbildung von Insektizid-Resistenzen bei diesen Parasiten ist die Notwendigkeit der Entwicklung neuer Produkte zur Bekämpfung gestiegen. Gleichzeitig steigt auch der Bedarf an Wirksamkeitsprüfungen, einerseits zur Entwicklung neuer Produkte und Wirkstoffe und andererseits zu regulatorischen Zwecken (z. B. Wirksamkeitsnachweise im Rahmen der Biozidzulassung nach EU-VO 528/2012). Es ist sinnvoll und wichtig, wirksame Mittel zu ihrer Bekämpfung bereit zu haben, gleichzeitig ist jedoch für deren Entwicklung und Prüfung die Zucht der Blutsauger notwendig. Die für die Tiere belastende Fütterung von blutsaugenden Gliedertieren am Wirbeltierwirt (z.B. Kaninchen, Meerschweinchen) stellt einen nach dem Tierschutzgesetz anzeige- bzw. genehmigungspflichtigen Tierversuch dar (TierSchG §§ 8, 8a). Eine tierversuchsfreie Fütterungsmethode von Bettwanzen und Läusen würde somit vielen Forschungseinrichtungen die Möglichkeit geben, die wichtige Grundlagenforschung und angewandte Forschung ohne Ersatzwirte durchzuführen.

Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung, Erprobung und Etablierung einer artifiziellen Fütterungstechnik für die großmaßstäbliche Zucht von Kleiderläusen und Bettwanzen ohne Einsatz von Wirbeltierwirten.

Abb. 1: Bettwanze.

 

 

Abb. 2: Kleiderlaus.

 

 

Bisher erprobte Membranfütterungsmethoden gibt es u. a. für Mücken, Zecken und Raubwanzen sowie für Läuse und Bettwanzen. Problematisch hierbei ist, dass die bisherigen Fütterungsmethoden von Bettwanzen (Abb. 1) und Läusen (Abb. 2) lediglich für die Zucht und Erhaltung kleiner Tierzahlen über kurze Zeiträume erfolgreich sind. Für Labore, in denen Bettwanzen und Läuse dauerhaft und mit großer Tierzahl gezüchtet werden müssen, sind die beschriebenen Methoden nicht praktizierbar. Sie sind häufig zu aufwändig und generieren nicht genügend Nachkommen zur Erhaltung einer großen Zucht. Außerdem kommt es zu Zuchteinbrüchen, so dass die Tiere doch wieder an Wirbeltieren gefüttert werden müssen.

Große Tierzahlen von Bettwanzen werden trotz zum Teil schwerer Zuchteinbrüche inzwischen in der 14. Generation im Umweltbundesamt an einem Membranfütterungsanlagen-Prototypen (Abb. 3) gefüttert. Die Methode wurde stetig weiterentwickelt, trotzdem ist sie für den alltäglichen Einsatz noch nicht ausgereift. Mit dem nun geplanten Fütterungsapparat soll eine einfache und unkomplizierte Fütterung möglich sein. Versuche zur Kleiderlauszucht werden innerhalb der Projektlaufzeit erfolgen, da Kleiderläuse geeignete Modellorganismen für die Kopflaus sind.

 

 

Abb. 3:
Schematische Darstellung der Membranfütterungsanlage (Prototyp, nicht maßstabsgetreu), die bisher zur Zucht von Bettwanzen verwendet wurde. Über einen Thermostat mit integrierter Pumpe wird das Blut in den Fütterungseinheiten indirekt über ein Wasserbad auf 37 °C – 38 °C erwärmt. Die Bettwanzen werden in einem mit Gaze verschlossenen Gläschen auf die Membran (doppelt gedehnter Parafilm) aufgesetzt.

 

 

 

Ausführende Institution

Umweltbundesamt
Corrensplatz 1 (Haus 23)
14195 Berlin

Förderlaufzeit

07/2017 - 06/2019

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